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Wanderratte Drucken E-Mail
Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist ein zu den Altweltmäusen zählendes Nagetier (Rodentia) aus der Familie der Langschwanzmäuse und ist der Vorfahre aller Farbratten.



Abstammung und Verbreitung

Die Wanderratte stammt ursprünglich aus Zentralasien und Nordchina. Sie hat sich wie die Hausratte als Kulturfolger des Menschen in alle Welt ausgebreitet. Sehr frühe Knochenfunde der Wanderratte in Europa (Burg Scharstorf bei Preetz, Schleswig-Holstein) die auf das 9. bis 10. Jahrhundert datiert wurden, werden heute auf Knochenmaterial zurückgeführt, das in tiefere Schichten verschleppt wurde. Die weltweite Verbreitung der Wanderratte begann erst im 18. Jahrhundert, sie führte zur Verdrängung der Hausratte. 1727 setzte die Wanderratte bei Astrachan über die Wolga, und 1732 wurde sie aus Indien nach England eingeschleppt. 1750 erschien sie in Ostpreußen, 1753 in Paris. Um 1780 war sie in Deutschland überall häufig, in der Schweiz aber erschien sie erst 1809. Nach Nordamerika gelangte sie 1755.

Bedingt durch die veränderte Lebensweise der Menschen, den Bau moderner Häuser und die Kanalisation konnte sich die Wanderratte stark vermehren. In weniger modernen Siedlungen von Menschen ist ihr Verbreitungsgebiet dagegen beschränkt. So ist sie auch heute in Afrika nur in Groß- und Hafenstädten anzutreffen. Sie schwimmt, taucht und klettert sehr gut. Gerade in modernen Großstädten findet sie ideale Bedingungen vor. Man schätzt, dass z.B. in New York 16 Millionen Wanderratten leben, also zwei pro Einwohner.

Nahrung

Die Wanderratte ist ein Allesfresser. Sie nimmt mehr tierische Nahrung zu sich als die Hausratte und jagt auch kleinere Tiere wie Mäuse; sie erbeutet sogar schwimmend und tauchend Fische. In Kolonien von Seevögeln lebt sie als reiner Fleischfresser. Sie kann sich aber auch zeitweilig ausschließlich von pflanzlicher Nahrung ernähren. Lebt sie in der Nähe des Menschen, nutzt sie das Angebot an Abfällen.

Körperbau und -größe

Die Oberseite des Körpers und Schwanzes ist bräunlichgrau, auf der Unterseite scharf abgesetzt grauweiss. Zuweilen kommen weiße Tiere mit roten Augen vor. Die Wanderratte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 21 bis 28 cm, eine Schwanzlänge von 17 bis 25 cm und ein Gewicht zwischen 250 g und 550 g. Der Schwanz der Wanderratte ist schwach behaart und weist 160 bis 190 Ringe auf, also wesentlich weniger als bei der Hausratte. Die Augen und Ohren sind verhältnismäßig klein, kleiner als bei der Hausratte, und erreichen angedrückt das Auge nicht.

Verhalten

Die Wanderratte ist sehr anpassungsfähig. Sie ist ein soziales Tier, lebt in Gruppen von 50 bis 60 Individuen die zumeist aus einem Männchen und mehreren Weibchen und Jungtieren bestehen. Ihr Revierverhalten ist ausgeprägt. Die Angehörigen einer Gruppe erkennen sich am Geruch. In Gruppen von Wanderratten können Erfahrungen, die einzelne Gruppenmitglieder gemacht haben, an andere Mitglieder weitergegeben werden.

Im Freiland baut die Wanderratte Erdhaufen mit Gängen, die zu den Nest- und Vorratskammern führen. In Gebäuden befinden sich die Nester meist in Zwischendecken und Hohlräumen, aber auch in locker gestapelten Materialien. Im Freiland wird eine Wanderratte meist kaum älter als ein Jahr.

Die Weibchen werden von mehreren Männchen gedeckt, ein Weibchen bringt im Laufe ihres Lebens 6 bis 8 Würfe mit etwa 40 Jungen zur Welt. Die nackt und blind geborenen Jungen öffnen am 15. Tag die Augen. Sie werden ca. drei Wochen gesäugt und werden nach 6 bis 7 Wochen selbständig. In einem Nest können mehrere Weibchen gleichzeitig einen Wurf großziehen. Wenn die Mutter ausfällt, übernimmt ein anderes weibliches Tier die Brutpflege. Die Jungtiere haben ein ausgeprägtes Spielverhalten.

Die Wanderratte verfügt über ein ausgeprägtes Lernvermögen und lässt sich in Gefangenschaft leicht züchten. Dies hat sie zu einem bevorzugten Versuchstier gemacht. Die experimentelle Psychologie und die Verhaltensbiologie untersucht anhand der Wanderratte unter anderem das Lernverhalten.

Schadwirkung

Die wenig spezialisierten und somit sehr anpassungsfähigen freilebenden Tiere gelten gemeinhin als Nahrungsmittelschädlinge.

Auswirkung auf die Fauna von Inseln

Durch die Schiffe der Europäer wurden Wanderratten auf viele abgelegene Inseln eingeschleppt. Da viele der dortigen Tiere wie beispielsweise Vögel und Riesenschildkröten sich nicht ausreichend gegen die Wanderratte schützen konnten, wurden sie von ihr verdrängt.

Die Wanderratte als Krankheitsüberträger

Bei der Pest spielte die Wanderratte in Europa keine große Rolle. Zwar wird sie vom Rattenfloh Xenopsylla cheopsis auch als Wirt angenommen, sie kann somit als Überträger wirken, aber zur Zeit der großen Pestepidemien (erste große Welle: Schwarzer Tod) des ausgehenden Mittelalters war sie in Europa kaum verbreitet. Weiterhin kommen freilebende Wanderratten auch als mechanische Vektoren für die verschiedensten Krankheitserreger in Betracht. Sie sind eindeutig als Überträger von Typhus, Cholera, Ruhr, Tuberkulose, Trichinose, Leptospirose, Maul- und Klauenseuche und von Fadenwürmern festgestellt.

Die Wanderratte als Erregerwirt

Freilebende Wanderratten sind neben anderen kleinen Nagern ebenfalls Reservoirwirte für diverse Borrelienarten (Bakterien), die dann auch von Vektoren wie z.B. Zecken auf Tier und Mensch übertragen werden können. Andere Erreger können durch Urin und Kot der Ratten per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen werden.

Erkrankungen der Wanderratte

Die Mykoplasmose der Ratte ist die häufigste Erkrankung der oberen Atemwege. Häufigere Ektoparasiten sind Milben (Räude der Ratte), Liponyssus bacoti, Läuse und Haarbalgmilben.

Die Wanderratte im Gedicht

Heinrich Heine hat die Wanderratte in seinem Gedicht Die Wanderratten verewigt. Es findet sich in seinen nachgelassenen Gedichten.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Wanderratte aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


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