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Mungo Man Drucken E-Mail
Der Mungo Man (auch bekannt als Lake Mungo 3) war ein früher Bewohner Australiens, von dem man annimmt, dass er vor etwa 40.000 Jahren lebte, also während des Pleistozäns. Seine Überreste wurden 1974 am Lake Mungo in New South Wales entdeckt. Es sind bis heute die ältesten Überreste eines anatomisch modernen Menschen, die man in Australien gefunden hat, obwohl sein genaues Alter umstritten ist. Eine kürzlich durchgeführte Analyse seiner mitochondrialen DNA (mtDNA) hatte dazu geführt, dass einige Wissenschaftler die Out-of-Africa-Theorie der menschlichen Evolution in Frage stellten.

Entdeckung

Der Mungo Man wurde von dem heutigen Geologieprofessor Jim Bowler von der Australian National University (ANU) am 26. Februar 1974 entdeckt, als Wanderdünen Mungo Mans Gebeine freigaben. Er wurde nahe des Lake Mungo gefunden, der einer von einer Reihe trockener Seen in der vom UNESCO-Weltkulturerbe gelisteten Willandra Lakes Region im Mungo National Park ist. Der Körper war gesprenkelt mit roten Pigmenten, was das früheste Vorkommen eines anspruchsvollen und künstlerischen Beerdigungsrituals ist. Dieser Aspekt der Entdeckung war besonders bedeutsam für die Aborigines, da dies darauf hinweist, dass kulturelle Traditionen in Australien bereits länger existierten als zuvor angenommen.

Das Skelett ist nur relativ schlecht erhalten, weil große Teile des Schädels fehlen und die meisten Knochen der Extremitäten Schäden an der Oberfläche erlitten haben. Einige Anthropologen haben angemerkt, dass es wahrscheinlich nicht möglich ist, das Geschlecht endgültig zu bestimmen, obwohl die Überreste allgemein als männlich zugeschrieben werden. Mungo Man wurde auf dem Rücken liegend und mit den Händen in seinem Schoß verschränkt begraben. Aufgrund einer Arthrose in den Lendenwirbeln und schweren Abnutzungserscheinungen an den Zähnen ist es wahrscheinlich, dass Mungo Man recht alt war als er starb. Neue Studien schätzen anhand der Länge seiner Röhrenknochen, dass Mungo Man mit 196 cm ungewöhnlich groß war.

Alter

Erste Schätzungen über Mungo Mans Alter publizierte das Team von Paläoanthropologen der Australian National University, das den Mungo Man ausgegraben hatte, im Jahre 1976. Sie schätzten, dass Mungo Man zwischen 28.000 and 32.000 Jahre alt war. Sie testeten nicht Mungo Mans Überreste direkt, sondern entwickelten ihre Schätzung aus stratigrafischen Vergleichen mit der sogenannten Mungo Lady, einem früheren Fund von teilweise eingeäscherten Gebeinen, die ebenfalls am Lake Mungo gefunden worden waren.

1987 wurde eine Elektronenspinresonanz-Datierung an einem der Knochenfragmente von Mungo Mans Skelett vorgenommen, was zu einer Schätzung von 31.000 Jahren plus/minus 7.000 Jahre führte.

Ein anderes Team der ANU kam 1999 zu einer neuen Schätzung von 62.000 plus/minus 6.000 Jahren. Dieser Wert wurde bestimmt durch Kombinieren der Daten einer Uran-Thorium-Datierung, Elektronenspinresonanz-Datierung und einer Photolumineszenz-Datierung der Gebeine und dem unmittelbar umgebenden Boden. Allerdings war diese Bestimmung sehr umstritten, einige Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Bank am tiefsten Punkt der archäologischen Ausgrabungen am Lake Mungo bislang auf ein Alter von 43.000 Jahren bestimmt wurde, weswegen Mungo Man nicht älter sein könne. Das ANU-Team hingegen schätzt diese Bank, eine geologische Ablagerung, auf ein Alter von 59.000 bis 63.000 Jahren. Andere kritisierten die Probleme, die mit der Uran-Thorium-Datierung am Zahnschmelz einhergehen.

2003 hat eine Gruppe von Wissenschaftlern aus verschiedenen australischen Universitäten, geführt von der University of Melbourne, einen neuen Konsens erreicht, wonach der Mungo Man etwa 40.000 Jahre alt ist. Dieses Alter entspricht weitgehend den stratigraphischen Hinweisen und nutzte vier verschieden Methoden der Datierung von Wissenschaftlern verschiedener Universitäten. Das Alter von 40.000 Jahren ist derzeit das am meisten akzeptierte Alter des Mungo Mans und macht ihn zum zweitältesten anatomisch modernen Menschen, dessen Überreste bis heute außerhalb von Afrika gefunden wurden. In dieser Studie wurde außerdem festgestellt, dass die Mungo Lady etwa gleich alt ist und nicht 30.000 Jahre, wie zuvor angenommen. Damit sind die Gebeine von Mungo Lady die ältesten eingeäscherten menschlichen Überreste, die je entdeckt wurden.

Mitochondriale DNA-Studie

Ein wissenschaftliches ANU-Team mit Greg Adcock analysierte die mtDNA der Knochenfragmente des Mungo-Man-Skeletts. Die mtDNA wurde mit Proben von einer Reihe verschiedener anderer alter australischer Skelette verglichen: einer mtDNA-Sequenz eines Neandertalers, heute lebender australischer Aborigines und anderer moderner Menschen. Die Resultate zeigten, dass der Mungo Man – obwohl er anatomisch sich im Normalbereich eines modernen Menschens befindet – von einem anderen direkten weiblichen Vorfahren abstammt als von der Mitochondrialen Eva, der gemeinsamen Vorfahrin in der weiblichen Linie aller heute lebenden Menschen. Allerdings ist seine mtDNA nicht vollständig ausgestorben; ein Segment ist bei vielen modernen Menschen im Chromosom 11 eingefügt.

Diese Studie ist kontrovers, weil sie die Out-of-Africa-Theorie der menschlichen Evolution in Frage stellt, nach der alle Menschen von gemeinsamen Vorfahren aus Afrika abstammen, die den Kontinent während der letzten 200.000 Jahre verlassen haben. Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass ihre Resultate die multiregionale Hypothese unterstützen, wonach sich die Eigenschaften des modernen Menschen an verschiedenen Orten der Welt entwickelten und dass Genfluss die genetische Uniformität verursachte, die wir heute sehen, und nicht eine Wanderung einer einzigen Population aus Afrika.

Allerdings kann man die Resultate mit dem Out-of-Africa-Modell vereinbaren, wenn die Typen der mitochondrialen Eva und des Mungo Mans beide aus Afrika kamen und dabei eine Linie ausstarb und die andere bis heute besteht. Die Zeit, als sich die mitochondriale Eva und Mungo Mans weibliche Vorfahren teilten, muss früher gewesen sein als die Zeit vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren, als die Hauptwelle des modernen Menschen Afrika verließ.

Da die Gebeine einer robusten Form des heutigen Menschen in Äthiopien etwa 160.000 Jahre alt sind und ähnliche Überreste in Jebel Qafzeh in Israel etwa 100.000 Jahre alt sind, ist es denkbar, dass Mungo Mans weiblicher Vorfahre Afrika in einer frühen Welle verließ. Tatsächlich hat Schillaci vor kurzem morphologische Ähnlichkeiten zwischen dem Schädel der frühen Menschen des Levante und denen Australasiens festgestellt.

Die Studie von Adcock wurde durch eine Studie von Chris Stringer kritisiert: Adcock behauptete, eine außergewöhnlich große Menge an Ancient DNA in den Überresten des Mungo Mans gefunden zu haben. Diese Befunde seien nicht konsistent mit denen anderer Wissenschaftler, die nach DNA in Neandertaler-Knochen suchten. Stringers Studie weist darauf hin, dass prähistorische DNA am wahrscheinlichsten in kalter Umgebung erhalten bleibt, wie sie etwa in Europa vorherrscht. Aber sogar bei den Gebeinen der Neandertaler ist die Wahrscheinlichkeit, DNA zu gewinnen, sehr gering. Die Studie weist zudem darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, dass DNA überhaupt während der 40.000 bis 60.000 Jahre seit der Beerdigung des Mungo Man erhalten geblieben ist, als sehr gering einzuschätzen ist.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Mungo Man aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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